Ohne Regen, keine Blumen.
Man könnte sagen, dass ist ein Kalenderspruch oder vielleicht gut gemeinte Worte, gerichtet an jemanden, der gerade eine schwierige Zeit erlebt. Und doch, geht mir dieser kleine Satz heute nicht aus dem Kopf. Denn dahinter steckt so viel mehr.
Wir alle wünschen uns das Ergebnis, am Ziel zu sein, stolz präsentieren wir unsere Highlights, gefördert noch von sozialen Medien, in denen uns konstant das scheinbar sorgenfreie Leben der Anderen präsentiert wird. Selbst in dem Wissen, dass dies nicht die Realität ist, unser Gehirn hat noch nicht so ganz gelernt, dass im 21. Jahrhundert nicht alles, was es sieht, echt ist.
Bin ich dann konfrontiert mit meinen eigenen Sorgen, mit den Gedanken, die ich vielleicht lieber nicht laut ausspreche, die sich still in meinem Kopf drehen, immer und immer wieder, bis ich nur noch zu dem Entschluss kommen kann, es müsse an mir liegen, ich strenge mich nicht genug an und eventuell zu noch tiefer liegenden Grundannahmen und Beziehungsdynamiken komme, na dann scrolle ich doch lieber weiter durch die Highlights der anderen, pleasently occupied, gut gehts mir damit zwar nicht, aber immer noch besser, als hinter meine eigenen Kulissen zu schauen.
Ohne Regen, keine Blumen.
Für mich bedeutet dies, dass am Anfang die Erkenntnis steht. Die Erkenntnis, dass ich mich gerade an einem Punkt befinde, an dem ich nie sein wollte, an dem ich traurig bin und niedergeschlagen, mich selbst nicht mehr erkenne und alles grau und dunkel wirkt. Ein Ort, an dem ich nicht sein möchte… und doch gerade bin. Wenn ich mir auch noch so sehr wünsche, nicht dort zu sein, ändert dies doch nichts an der Tatsache, dass ich mich gerade dort befinde.
Was mich zum nächsten Schritt führt, dem Schritt der Akzeptanz. Okay, es regnet gerade. Ich stehe im Regen. Ich spüre den Regen auf meiner Haut, meine Haare sind durchnässt und ich habe Angst, dass es nie wieder aufhören wird zu regnen.
Gleichzeitig weiß ich eine Sache sehr sicher, es bleibt niemals so wie es ist. Was in guten Zeiten eine Anregung sein kann, diese noch viel mehr zu genießen und in schlechten Zeiten ein Hoffnungsschimmer sein kann.
Denn auch wenn nicht jedes Wachstum eine vorherige Krise erfordert, so zwingen die dunklen Zeiten mich doch zur Auseinandersetzung mit mir selbst. Auch wenn ich selbst noch nicht daran glauben kann, dass da irgendwann wieder Blumen sein werden, vielleicht sogar eine ganze Blumenwiese, die Sonne scheint, ein sanfter Wind streicht über meine Haut.
So kann dieser kleine Satz „No rain, no flowers“ uns einerseits die nötige Akzeptanz geben um uns mit unserer aktuellen Situation auseinander zu setzen und anderseits die Hoffnung erwecken, dass unser Leben auch wieder anders aussehen wird.
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In diesem Blog schreibe ich über psychologische Themen – so wie es mir gerade gefällt. Mal eher fachlich, mal eher persönlich. So wie in diesem Beitrag, der eine Metapher sein kann für den Beginn einer Therapie, den Zeitpunkt, wo ich noch mit mir selbst kämpfe, mir noch nicht eingestehen möchte, wie es gerade wirklich in mir aussieht. Ich entweder schon den Schritt in die Therapie gewagt habe, oder noch mit mir hadere. Wenn der Artikel Sie anspricht, oder die Themen Sie persönlich betreffen, können Sie sich gerne melden. Ich biete in meiner Praxis einen geschützten Raum.